Afghanistan, jetzt weiß ich erst...: Gedanken aus meiner Zeit als Kommandeur des Provincial Reconstruction Team FEYZABAD
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Eher subjektiv geprägtes Tagebuch, denn wertvolles Sachbuch.
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(TOP 500 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Afghanistan, jetzt weiß ich erst...: Gedanken aus meiner Zeit als Kommandeur des Provincial Reconstruction Team FEYZABAD (Broschiert) Zunächst einmal muss man anmerken, dass der Autor bei seinem Engagement in Afghanistan mit viel Herzblut bei der Sache war. Das merkt man recht deutlich bei der Lektüre des Buches und es muss ihm natürlich zugutegehalten werden. Leider gilt dies nicht für das Lektorat, falls es denn überhaupt eines gab. Das Buch (hier bereits die 8. Auflage !!!) strotzt vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern, die einem beim Lesen die Haare zu Berge stehen lassen, zumal dies nicht nur einfach Tippfehler sind. Weiterhin wird auch fachlich einiges arg durcheinander gewirbelt. Da diente auf einmal die Einrichtung des Wakhan-Korridors der Trennung von China und dem British Empire oder die damalige Jammer-Technologie seines Geländewagens löst neuerdings funkferngesteuerte Sprengsätze aus, anstatt sie nur zu stören. Besonders albern ist der Versuch durch Änderung der Namen seiner afghanischen Partner in Politik und Sicherheitskreisen deren Identität zu verschleiern. Nach wenigen Klicks durch die "Afghan-Bios" weiß man, über wen hier gerade gelästert wird. Grundsätzlich zieht sich leider durch das gesamte Buch der fade Beigeschmack von Arroganz und Überheblichkeit des Autors. Die Selbstdarstellung als gottgleiches Wesen im Hinblick auf die Führung seiner eigenen Soldaten und seinem Wirken in der Provinz Badakshan klingen immer wieder unangenehm durch. Der Autor vergisst zuweilen, dass er es mit Leuten zu tun hat, die sich in einem brutal hierarischen System durchgesetzt haben, welches seit fast 30 Jahren nichts anderes als Krieg kennt. Da kann man bei Fällen von Korruption und dem Aussitzen von Angelegenheiten durchaus auch einmal zu anderen Bewertungen gelangen, als dies mit dem Gebrauch westeuropäischer Maßstäbe der Fall ist. Zudem ist ein gesundes Maß an kritischer Selbstreflektion nie schädlich, auch wenn der Autor selbstverständlich zu dem Schluss kommt, alles vollkommen richtig gemacht zu haben. So kann man ihm wenigstens attestieren, dass es eine weise Entscheidung war, den einflussreichsten Local Power Broker nicht durch Spezialkräfte ausschalten zu lassen, obwohl ihm das natürlich jederzeit "per Fingerschnippen" möglich gewesen wäre. Er war halt weise und gnädig, auch dann wenn man ihm ständig nach dem Leben getrachtet hatte. Man kann es aber hinsichtlich der "zahllosen" Anschlagsversuche auf den Autor auch kurz zusammenfassen: "Außer Spesen nix gewesen." Es lief immer wie folgt ab:

1. Seine "Nachrichtenleute" haben von Informanten etwas über einen geplanten Anschlag auf den Autor durch die "Talibanvertretung" in Badakshan erfahren.
2. Der Autor plant eine raffinierte Falle für die "Talibanvertretung"
3. Trotz intensiver Planung auf beiden Seiten passiert rein gar nichts.
4. Seine "Nachrichtenleute" bekommen kurze Zeit später von Informanten eine groteske Begründung dafür, warum nichts passiert ist, aber dass die Planungen durch die "Talibanvertretung" weitergehen.
5. Der Autor plant weiterhin raffinierte Fallen.
6. Etwas später erfahren die "Nachrichtenleute" von den Informanten, dass die "Talibanvertretung" die Pläne vorerst auf Eis gelegt hat.
6. Kurze Zeit später sind wir wieder bei Punkt 1 angelangt.

Die einzige Frage die sich mir hier stellt, ist die Größe der Summe, welche die Informanten für solche Geschichten von den "Nachrichtenleuten" bekommen haben.

Was liefert uns das Buch im Endeffekt? Jedenfalls keine Erkenntnisse, welche auf andere Bereiche Afghanistans übertragbar wären. Badakshan ist eine ethnisch weitestgehend homogen strukturierte Provinz, welche deutlich mehr durch Tadschikistan als durch Pakistan geprägt wird, auch wenn es zu beiden Ländern eine lange Grenze hat. Einzig der Konflikt zwischen der usbekischen und tadschikischen Ethnie beinhaltet wie schon im Bürgerkrieg gewaltige Sprengkraft, zumal die Grenze der Siedlungsräume direkt durch das PRT verläuft. Daneben bietet der Waffen-, Drogen- und Alkoholschmuggel die einzig vernünftige Einnahmequelle, zumal aufgrund der Grenze zu Tadschikistan die hohen Margen bei Grenzübertritt erzielbar sind. Ob der Autor nun einen Kindergarten gebaut hat oder nicht ändert rein gar nichts. Ob es nun eine weltliche Schule mehr oder weniger gibt ändert rein gar nichts und es ist einfach verdammt naiv, wenn der Autor behauptet, dass er hier erstmals Fortschritte für eine blühende Zukunft Afghanistans sieht und er daran seinen Anteil hat. Vielleicht sollte er sich mal Fotos aus den 60/70iger Jahren anschauen, wo unverschleierte Frauen in Betrieben arbeiten, in Röcken und schicken Blusen an den Universitäten des Landes studieren oder Kraftwerke leiten. Es gibt einen anderen Grund warum in Afghanistan seit 30 Jahren Krieg herrscht und dass ist die Zukunftsvision des Autors.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 24. März 2012
Kundenrezensionen:
3. Der Einsatz in Afghanistan "von oben" betrachtet
2. Eher subjektiv geprägtes Tagebuch, denn wertvolles Sachbuch. (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Hochinteressant
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