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Erhellend!
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch) Bei der derzeit geführten Diskussion um die Freilassung der letzten RAF-Häftlinge der zweiten Generation und anlässlich des sich in diesem Jahr zum dreißigsten Mal jährenden "Deutschen Herbst" sucht vielleicht der eine oder andere interessierte Leser nach einem Buch, dass umfassend die Entstehungsgeschichte des Links-Terrorismus in West-Deutschland erhellt.
Der langjährige Spiegel-Redakteur und Vollblutjournalist hat nicht nur umfassend recherchiert, sondern hat als Student und Volonteur bei "Konkret" auch die Entwicklung Ulrike Meinhofs von der Vorzeige-Linken zur Staatsfeindin Nummer eins hautnah miterlebt.
Seine Beobachtungen und Erfahrungen ergänzen ein hoch-informatives, um Objektivität bemühtes und glänzend geschriebenes Standardwerk zur Entwicklung der Roten Armee Fraktion.
Da dieses Buch seit seiner Erst-Auflage 1986 immer wieder überarbeitet wurde, empfehle ich es mit Nachdruck vor allem allen interessierten jungen Menschen, für die der von der RAF initiierte Terror nur eine Episode aus dem Geschichtsbuch ist.
In die moralische Diskussion, ob politisch motivierter Terror ehrbarer ist als blanke Kriminalität, steigt dieses Buch nicht ein. Es zeigt aber deutlich, dass bei aller Ernsthaftigkeit, mit der die terroristischen linken Kreise verfolgt wurden, oftmals auch übereifrig in völlig harmlosen linken Kreisen ermittelt wurde und eben die demonstrierte Staatsmacht in jenen Jahren geradezu eine Faszination der Baader-Meinhof-Gruppe bei jungen Menschen auslöste.
Andreas Baader und Gudrun Ensslin waren die führenden Köpfe eines im Grunde ziemlich desorganisierten, kleinen Grüppchens, die aus der Studentenbewegung entstand und die durchaus nachvollziehbaren politischen Argumente radikalisierte. Die Journalistin Ulrike Meinhof, die nach der Gefangenen-Befreiung Baaders in den Untergrund ging, verlieh der ersten Terrorgeneration einen intellektuellen und fast glamourösen Anstrich, hatte aber in Wahrheit nur sehr wenig Einfluss auf die Organisation der verübten Terroraktionen. Vor allem war die Gruppe jedoch damit beschäftigt, mit Banküberfällen ihr Leben im Untergrund zu finanzieren. Anfang der siebziger Jahre wurden alle führenden Köpfe verhaftet. Die Rote Armee-Fraktion war zu diesem Zeitpunkt praktisch zerschlagen. Die einzelnen Prozesse und die Haftbedingungen im Hochsicherheitstrakt von Stuttgart-Stammheim lösten jedoch eine so breite Öffentlichkeit aus, dass sich eine zweite Terror-Generation organisieren konnte, die ideologisch von den Mitgliedern aus dem Gefängnis heraus gebrieft wurden.
Bis zum spektakulären Selbstmord der Gefangenen nach der Befreiung der "Landshut" in Mogadischu reicht die Geschichte der ersten Generation.
Ihre Entstehung, ihre Denkweise und das Wirken haben das Bild der jungen Bundesrepublik verändert.
Ihr langer Arm sorgt bis heute für öffentliche Diskussionen und - was häufig untergeht - bei den vom Terror betroffenen Familien für großes Leid.
Da man ohne umfassende Erkenntnis der Wurzel jeden Übels kaum zu einer eigenen Ansicht gelangen kann, ist dieses Buch von großem historischem Wert!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 7. Februar 2007 | | |
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